Sekundenschlaf kann tödliche Folgen haben! Was kann man dagegen tun?

Hand aufs Herz, wer kennt nachfolgende Situation nicht: Man sitzt nach einem langen Tag im Auto, fährt nach Hause / zum Flughafen / ins Büro / ins Hotel und ist müde. Zunächst gähnt man nur, dann wird das gähnen häufiger, die Augen werden schwer. Man öffnet ein Fenster um sich – irrtümlicherweise – mit Frischluft wach zu halten. Klar, zunächst hilft das „etwas“ aber kurze Zeit später fallen einem dann doch wieder die Augen zu. Dann wird einem kalt. Man dreht die Heizung auf. Anschließend dreht man die Musik lauter und stellt fest, dass man irgendwie schneller oder langsamer unterwegs ist als eigentlich geplant. Weder Musik noch Frischluft führen zum Erfolg! Die Folge? Sekundenschlaf! Sekundenschlaf ist tödlich! Im besten Fall fährt man „nur“ in die Leitplanke, den schlimmsten Fall möchte ich hier gar nicht skizzieren. Die Nachrichten sind ja quasi an jedem Wochenende voll mit diesen Schreckensmeldungen und oft war Sekundenschlaf die Ursache.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich, wie gefährlich Sekundenschlaf sein kann und daher bin ich inzwischen auch dankbar für die Assistenzsysteme der Automobilhersteller, die nun frühzeitig den Fahrer auf eine mögliche Beinträchtigung der eigenen Leistung hinweisen.

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Doch wie funktioniert diese Technik eigentlich? Gibt es etwa Kameras, die unsere Augen mitfilmen und Alarm schlagen wenn wir diese schließen? Nein, die Technik hinter den Müdigkeitswarnern ist viel, viel komplexer.

Bei Mercedes-Benz z.B. ist der „Attention Assist“ im Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 180 km/h aktiv. Er erstellt zu Beginn von jeder Fahrt ein Fahrerprofil. Dieses eigens erstellte Profil, welches sich also jedes mal wieder resettet, wird anschließend ständig mit dem aktuellen Fahrverhalten verglichen. Möglich gemacht wird diese Technik durch zahlreiche Sensoren. So wird z.B. die Geschwindigkeit, die Längs- und Querbeschleunigung, das Lenkverhalten, die Fahrdauer, das Bedienverhalten und auch der Straßenzustand analysiert. Passt das Fahrerverhalten nicht mehr, bzw. weicht dieses von dem Fahrerprofil ab, dann warnt Mercedes-Benz den Fahrer durch ein akustisches Signal und einer sympathischen Kaffee-Tasse im Kombi-Instrument. Aus der eigenen Erfahrung heraus funktioniert dieses System nicht nur bei „typischen Anzeichen einer Müdigkeit“ sondern auch wenn man sich von den sonstigen Mitfahrern zu stark ablenken lässt.

Natürlich gibt es dieses, optionale, Assistenzsystem auch bei anderen Herstellern. Bei BMW z.B. da analysiert das System ebenfalls das Lenkverhalten und reagiert auf Auffälligkeiten. Im Display des Navigationssystem wird im Falle einer Abweichung dann eine ausdrückliche Pausenempfehlung ausgesprochen.

Auch ein Spurhalte-Assistent kann schon helfen, denn wer häufiger die weißen Seitenlinien überfährt – fährt ggf. auch Schlangenlinien und das ist ein bereits ein Merkmal für Müdigkeit.

Wusstet ihr, dass Übermüdung am Steuer ungfähr die gleichen Folgen haben kann wie der Genuss von Alkohol? Man fährt Schlangenlinien, erkennt Hindernisse (egal ob beweglich oder stationär) nicht mehr so schnell und kann auch Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen. Auch die Reaktionszeit lässt nach. Reaktionszeit? So nennt man die Zeit, die man benötigt um überhaupt zu realisieren, dass wir agieren müssen. Bei Tempo 100 km/h vergehen 30 Meter pro Sekunde. Bei Tempo 130 sogar ca. 40 Meter – eine gute Reaktionszeit ist also unbedingt von Nöten für einen geringen Bremsweg. Die normale Reaktionszeit liegt etwa bei genau dieser Sekunde, bei Müdigkeit oder unter dem Einfluss von Alkohol / Drogen liegt diese vermutlich drüber.

Übrigens: Der Sekundenschlaf kann uns nicht nur in der Nacht treffen! Schlafdefizit, Schlafstörungen oder die Einnahme von Medikamenten können den Fahrer, vor allem bei monotoner Fahrt, schnell ermüden lassen.

Wie kann ich auch ohne Assistenzsystem erkennen ob ich Müde bin?

Wenn die Augenlieder schwer werden, man anfängt zu blinzeln und öfters Gähnen muss, dann ist man definitiv Müde. Abschweifende Gedanken und ein „frösteln“, sprich wenn einem kalt wird, sind ebenfalls zwei Merkmale. Autofahrern fällt es dann schwer die Spur zu halten, man fährt häufiger über den Randstreifen, schaut starr auf die Straße und kann sich rückblickend nicht mehr an die letzten Kilometer erinnern.

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Wie sollte diese Pause denn eigentlich aussehen? Wie beugt man Sekundenschlaf vor? Hilft Kaffee, Frischluft, eine Cola oder ein Energie-Drink? Sollte man das Radio einfach lauter machen?

Ich hatte es ja oben schon mal erwähnt, kurz etwas Frischluft schnappen bzw. etwas Sauerstoff in den Innenraum lassen reicht nicht aus. Auch die Wirkung von Kaffee, Energie-Drinks oder Koffeinhaltigen Getränken lässt in der Regel sehr schnell wieder nach. Ein Power-Nap, also ein kurzer Schlaf – der macht Sinn. Fahrersitz zurück, Augen schließen und die Energie-Reserven wieder etwas auftanken. Kurzschlaf ist das Zauberwort, neudeutsch auch „Power-Nap“ genannt. Die erfolgreichsten Manager der Automobilbranche schwören auf diese „Erfrischungskur“. Wer Probleme hat bei Helligkeit einzuschlafen, der kann es ja mal mit einer Sonnenbrille / Schlafmaske versuchen. Ansonsten kann man sich auch ein T-Shirt über die Augen legen.
Pro-Tipp: Bei längeren Fahrten immer eine halbe Stunde extra einplanen, wer weiß schon wann der Körper die nächste Pause einfordert. Wer häufiger Müde ist, obwohl er eigentlich ausgeschlafen ist, der sollte sich mal auf eine Schlafstörung hin untersuchen lassen.

Ein Gedanke zu „Sekundenschlaf kann tödliche Folgen haben! Was kann man dagegen tun?

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