Ein Youngtimer / Oldtimer als Alltagsauto? Selbstversuch im BMW 745i aus dem Jahre 1983!

Denkt man an einen BMW, dann denkt man mit sicherlich an „Freude am Fahren“, an sportliche Fahrwerke, an direkte Lenkungen und an einem Bedienkonzept, welches für den Fahrer maßgeschneidert ist. Im Rahmen der creme21 youngtimer rallye konnten wir so ein Fahrzeug aus dem Jahre 1983 bewegen. Genauer gesagt ein BMW 745i (E23) mit einem 3,2 Liter 6-Zylinder unter der langen Motorhaube.

Das Fahrzeug ist quasi ein Neuwagen, denn als wir ihn von der BMW Classic übernommen hatten, hatte er gerade mal 4001 Kilometer auf der Uhr und der Blick unter die Motorhaube verrät: Dieser 3,2 Liter Benziner, hat in seinem Leben noch nicht viel geleistet.

Während der 1100 km langen Strecke von Bielefeld nach Berlin musste er auch nicht leiden, selten wurde er gefordert, das maximale Drehmoment von 380 Nm wurde nur in den seltesten Fällen an der Kurbelwelle abgeholt. Die Kraft hat allerdings auch die 3-Gang Wanderautomatik von ZF geschluckt, da kam dann nicht mehr ganz so viel auf der Hinterachse an. Was aber okay war, denn bei der creme21 youngtimer rallye geht es nicht um Bestzeiten, sondern um die Freude am Fahren und somit passt das mit einem BMW natürlich gleich doppelt.

Die Dreigang-Automatik schaltet sehr weich, nimmt sich hin und wieder eine Gedenksekunde und interpretiert manches Mal auch den Wunsch vom Fahrer falsch, aber ansonsten gibt es da nichts zu meckern. Bis auf die Tatsache, dass wir zunächst mahlende bzw. schleifende Geräusche gehört hatten, die sich später aber „in Luft aufgelöst hatten“.

Kritisieren würde ich eher die indirekte Lenkung und das Fahrwerk, welches auch straffer sein könnte. Allerdings könnte es auch sein, dass das Fahrwerk in den letzten Jahren Standzeit einfach nicht besser geworden ist, man hat mir nämlich versichert, dass das Fahrzeug normalerweise etwas besser auf der Straße liegt.

Wie ein großes Schiff auf dem Meer, bei etwas Seegang. Der Fahrer als Kapitän hinterm Steuerrad. So fühlt man sich in einem Fahrzeug aus dem Jahre 1983, welches damals die S-Klasse von Mercedes-Benz unter Druck setzen sollte. Das Fahrzeug bietet viel Platz vorne und hinten, selbst der Kofferraum ist mit einem Volumen von 480 Liter mehr als Alltagstauglich. Doch der Verbrauch, der stellt natürlich ein Problem dar. Wer das Fahrzeug nur für Oldtimer / Youngtimer-Veranstaltungen aus der Garage holt, den wird es nicht interessieren ob die 6-Zylinder sich nun 13,1 oder 17,5 Liter auf 100 km genehmigen, lässt man den 7er fliegen kann auch eine zwei vorne stehen. Für einen Alltags-Oldtimer sind das natürlich zu hohe Werte.

Früher war der erste 7er von BMW gar nicht mal so beliebt, die Front typisch BMW, das Heck etwas zu rund. Kritisiert wurde auch der höhere Verschleiss an Bremsscheiben und Belägen, kein Wunder – das Gewicht von 1,9 Tonnen (mit Passagieren und Gepäck) muss ja irgendwie wieder eingefangen werden.

Man muss zwischendurch mal einen Youngtimer / Oldtimer fahren, erst dann weiß man den Fortschritt in Sachen Automobil-Entwicklung erst wieder richtig zu schätzen. Vor allem in Sachen Lenkung, Bremsen, Fahrwerk und natürlich auch in Sachen Leistungsentfaltung & Turbolader-Technik ist in den letzten Jahren richtig viel passiert und den Verbrauch konnten auch alle Hersteller senken.

Ob wir nun einen 7er aus dem Jahre 1983 als Alltagsauto empfehlen würden? Vermutlich eher nicht, dann lieber ein gepflegetes Fahrzeug erwerben und dieses für Veranstaltungen wie die creme21 youngtimer rallye nutzen.

Das schont den Geldbeutel und die Umwelt. Uns mangelte es zwar nicht am Komfort, dafür aber an Ablageflächen. Die elektrischen Fensterheber hatten auch damals keine Automatik (und somit keinen Einklemmschutz) und die Scheiben beschlugen auch etwas zügiger als bei aktuellen Fahrzeugen. Das Licht kann auch nicht mit aktuellen Scheinwerfern mithalten, bei Dunkelheit und Nässe hätten wir uns vermutlich Teelichter den Weg besser ausleuchten können.

Sicherer dürften also, vor allem für Eltern, aktuellere Fahrzeuge sein – emotionaler sind hingegen die Fahrzeuge von früher, können wir uns darauf einigen? Wir sind mit unserer Startnummer 62 bei der diesjährigen creme21 youngtimer rallye übrigens auf den vierten Platz gelandet. Mit viel Gelassenheit ging es ins Ziel, diese Gelassenheit haben wir auch dem 7er zu verdanken, denn das Fahrzeug sorgte wirklich für eine entspannte Fahrt von A nach B über Umweg C.

Bei der creme21 ist uns übrigens mal wieder sehr bewusst geworden, wie viele Automobil-Liebhaber sich Wunschkennzeichen ans Auto schrauben und wie man unschwer erkennen kann, hatte auch unser BMW einen kleinen dezenten Hinweis auf die motortechnische Überlegenheit im Nummernschild.

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