5- oder 6-Gang-Getriebe – was ist besser?

Lange galt das 5-Gang-Getriebe als Standard. Vor etwa 30 Jahren war es sogar noch ein echter Luxus. Heutzutage laufen viele moderne Fahrzeuge mit 6-Gang-Getriebe vom Band. Einige besitzen sogar schon sieben Gänge oder noch mehr. Doch welche Vorteile bringen die zusätzlichen Schaltmöglichkeiten eigentlich und für wen ist welches Getriebe am besten geeignet?

Viele aktuelle Automodelle verfügen standardmäßig über ein 6-Gang-Getriebe. Adobe Stock: ©benjaminnolte

Viele aktuelle Automodelle verfügen standardmäßig über ein 6-Gang-Getriebe. Adobe Stock: ©benjaminnolte

Wie funktioniert ein Schaltgetriebe?

Um zu verstehen, ob fünf oder sechs Gänge für Ihre Zwecke geeignet sind, sollten Sie zunächst grob verstehen, wie ein Schaltgetriebe funktioniert. Es ist eine der wichtigsten Komponenten des Autos, denn es ist dafür zuständig, das Drehmoment des Motors an die Räder weiterzuleiten. Damit das möglichst effizient funktionieren kann, gibt es verschiedene Gänge, die jeweils eine andere Übersetzung liefern.

Dabei gilt: Je höher die Geschwindigkeit, desto höher sollte auch der Gang ausfallen. Daraus ergibt sich auch, dass mit einer höheren Auswahl an Übersetzungen auch eine feinere Anpassung der Drehzahl an die Geschwindigkeit möglich ist. Grundsätzlich sollte spätestens dann in den nächsthöheren Gang geschaltet werden, wenn die Drehzahl 2.000 übersteigt.

Optimalerweise schalten Sie bei 2.000 bis 2.500 Umdrehungen pro Minute in den nächsten Gang.

Was passiert bei einer zu hohen Drehzahl?

Wird ein Fahrzeug dauerhaft bei zu hoher Drehzahl betrieben, kann das den Motor schädigen und so schneller zu Verschleiß führen. Auf dem Drehzahlmesser eines Fahrzeugs ist meist der Bereich gekennzeichnet, der besonders schädlich für den Motor ist. In der Regel hebt er sich farblich vom Rest der Skala ab.

So können Sie während des Fahrens jederzeit überprüfen, ob Ihr Motor noch mit einer optimalen oder zumindest nicht bedenklichen Drehzahl fährt. Ab welcher Geschwindigkeit Sie hochschalten müssen, kann von Fahrzeug zu Fahrzeug variieren, weswegen es hierfür keine Faustregel gibt. Orientieren Sie sich an der Drehzahl sowie an den Motorgeräuschen.

Welche Getriebearten gibt es?

In Deutschland hat sich das manuelle Schaltgetriebe etabliert. Der Fahrer muss also die Gänge von Hand einlegen und ist so selbst für die Anpassung der Drehzahl und das Schalten zuständig. Dafür betätigt er die Kupplung, um Motor und Getriebe kurz voneinander zu trennen.

In dieser Zeit kann er den Gang wechseln und dann die Kupplung wieder kommen lassen. Alternativ dazu stehen Automatikgetriebe zur Verfügung. Diese übernehmen die Schaltung und führen sie angepasst an die Geschwindigkeit selbstständig durch, was das Fahren deutlich einfacher macht.

Welche Vor- und Nachteile bieten 5-Gang-Getriebe?

Noch immer gibt es auf dem Markt eine große Auswahl an Fahrzeugen mit 5-Gang-Getriebe. Tatsächlich haben sie auch noch ihre Daseinsberechtigung. Denn sie bieten eine Reihe von Vorteilen, die für bestimmte Fahrzeugführer von Interesse sein können.

Ob Sie dazu gehören, können Sie mithilfe dieser Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen herausfinden:

  • ✅ Fahrzeuge mit 5-Gang-Getriebe sind meist günstiger und kommen so auch für PKW-Fahrer mit kleinerem Budget infrage.
  • ✅ Bei hohen Geschwindigkeiten ist mit stärkerem Motorverschleiß, höherem Spritverbrauch sowie einem lauteren Betriebsgeräusch zu rechnen.

Für wen eignen sich Fahrzeuge mit 5-Gang-Getriebe?

Fahrzeuge mit 5-Gang-Getriebe sind heutzutage eigentlich nicht mehr der Standard. sind sie für bestimmte Nutzer nach wie vor sinnvoll. Wer nach einem Stadtfahrzeug sucht, das nur kurze Strecken bei geringen Geschwindigkeiten zurücklegt, kommt mit einem 5-Gang-Getriebe in der Regel gut zurecht.

Der große Vorteil dieser Modelle liegt im Anschaffungspreis. Wer großen Wert auf ein kostengünstiges Fahrzeug legt, kann in diesem Segment durchaus kosteneffiziente und dennoch zuverlässige Fahrzeuge finden.

Auch auf dem Gebrauchtwagen-Markt finden sich aufgrund der zumeist dort angebotenen Modelle älteren Baujahres immer noch überdurchschnittlich viele PKW mit fünf Gängen. Besonders alte Fahrzeuge, die als Oldtimer gelten, können sogar Steuervergünstigungen mit sich bringen. Unter bestimmten Umständen können Sie als Fahrzeughalter das H-Kennzeichen beantragen und damit bei vielen Fahrzeugen einen spürbar geringeren Kfz-Steuersatz zahlen.

Sollten Sie mit dem Auto hingegen regelmäßig lange Strecken über die Autobahn zurücklegen und auch gerne schnell fahren, ist ein 5-Gang-Getriebe keine gute Wahl. Denn in diesem Fall würden Sie überdurchschnittlich viel Sprit verbrauchen, was nicht nur Ihrem Geldbeutel, sondern auch der Umwelt schadet.

Fahrzeuge mit 5-Gang-Getriebe verbrauchen vor allem bei höheren Geschwindigkeiten mehr Kraftstoff. Adobe Stock: ©unai

Fahrzeuge mit 5-Gang-Getriebe verbrauchen vor allem bei höheren Geschwindigkeiten mehr Kraftstoff. Adobe Stock: ©unai

Welche Vor- und Nachteile liefert ein 6-Gang-Getriebe?

Eigentlich alle Fahrzeughersteller verkaufen serienmäßig Autos, die über sechs Gänge verfügen. Sie sind in verschiedenen Fahrzeugklassen erhältlich, sodass jeder einen Wagen finden dürfte, der seinem Geschmack entspricht. Genauso wie die 5-Gang-Modelle bieten Sie Vor- und Nachteile, die wir übersichtlich für Sie aufgelistet haben:

  • ✅ Autos mit 6-Gang-Getriebe erreichen oft eine höhere Endgeschwindigkeit, verursachen ein leiseres Fahrgeräusch und sparen Kraftstoff durch die optimalere Anpassung der Motordrehzahl.
  • ✅ Sie sind in der Regel teurer als Modelle mit 5-Gang-Getriebe. Zudem ist der sechste Gang im Stadtverkehr überflüssig.

Für wen kommen Autos mit 6-Gang-Getrieb infrage?

Autofahrer, die sehr oft weite Strecken auf der Autobahn zurücklegen, reisen mit einem 6-Gang-Getriebe komfortabler und sparen zudem Geld für Kraftstoff. Denn aufgrund der besseren Abstimmung des Getriebes sinkt der Verbrauch sowie die Geräuschentwicklung. Das macht sich besonders bei hohen Geschwindigkeiten bemerkbar. Das kann ein enormer Kostenvorteil sein, der sich jedoch meist erst ab einer bestimmten Laufleistung pro Jahr wirklich auszahlt. Denn Fahrzeuge mit sechs Gängen finden sich eher im mittleren bis hohen Preissegment.

Hier ist es also sinnvoll, bereits im Vorfeld genau die Vor- und Nachteile abzuwägen und eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Wer beruflich oder privat sehr oft längere Strecken auf der Autobahn zurücklegt, ist mit einem 6-Gang-Getriebe besser beraten. Adobe Stock: ©Song_about_summer

Wer beruflich oder privat sehr oft längere Strecken auf der Autobahn zurücklegt, ist mit einem 6-Gang-Getriebe besser beraten. Adobe Stock: ©Song_about_summer

Sollte ich mir ein Automatik- oder ein manuelles Schaltgetriebe anschaffen?

Nachdem Sie bereits herausgefunden haben, wie viele Gänge Ihr Fahrzeug haben sollte, stellt sich noch die Frage, ob für Sie eher ein Automatik- oder einen Schaltgetriebe infrage kommt.

Der Unterschied liegt dabei bereits im Namen. Beim manuellen Getriebe muss der Fahrer die Gänge über einen Schaltknüppel beim gleichzeitigen Betätigen der Kupplung von Hand einlegen. Dieser Vorgang entfällt bei Automatikschaltungen. Hier schaltet der Motor eigenständig beziehungsweise automatisch ab einer bestimmten Drehzahl in den nächsten Gang. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile:

Welche Vor- und Nachteile bieten manuelle Getriebe?

  • ✅ Der Fahrer entscheidet eigenständig, bei welcher Drehzahl in den nächsthöheren beziehungsweise nächsttieferen Gang geschaltet wird.
  • ✅ So entsteht eine direktere Kontrolle über die Drehzahl und damit auch die Beschleunigung.
  • ✅ Der Schaltvorgang ist jedoch um einiges komplizierter als bei der Automatikschaltung und kann besonders ungeübte Fahrer bei schwierigeren Situationen wie beispielsweise Berganfahrten vor Probleme stellen

Das manuelle Schaltgetriebe verleiht dem Fahrer die volle Kontrolle über das Fahrzeug. Allerdings hat er damit auch die Verantwortung, rechtzeitig zu schalten und so die Drehzahl niedrig zu halten sowie den Motor zu schützen. Das erfordert eine gewisse Übung.

Zudem reagiert jeder Wagen ein wenig anders, beziehungsweise hat unterschiedliche Abstufungen. Dieselfahrzeuge fahren sich beispielsweise ganz anders als typische Benziner. Wer weiß, wie es geht und optimal fährt, kann mit einem manuellen Schaltgetriebe Sprit sparen. Außerdem sind Autos mit manueller Schaltung günstiger in der Anschaffung.

Welche Vor- und Nachteile bieten automatische Getriebe?

  • ✅ Da der Schaltvorgang ohne Zutun des Fahrers erfolgt, kann sich dieser besser auf den Straßenverkehr konzentrieren.
  • ✅ Besonders für ungeübte Fahrer kann das zu einem erhöhten Fahrkomfort sorgen.
  • ✅ Je nachdem, wie die Schaltung reagiert, kann die automatisch ausgewählte Gangart nicht optimal sein (zu hoher Gang verhindert schnelles Beschleunigen nach einem Bremsvorgang)

Fahrzeuge mit Automatikgetriebe bieten einen erstklassigen Fahrkomfort. Sie als Fahrer müssen sich nicht um das Schalten kümmern und können so Ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr richten. Für Bremsen, Lenken und Beschleunigen sind Sie natürlich weiterhin zuständig, werden dabei aber nicht durch ständiges Kuppeln gestört.

Viele automatische Getriebe verfügen aber über eine sogenannte „Tippschaltung“. Damit ist es möglich, jederzeit manuell die Gänge stufenweise über einen Schalter hoch- oder runterzuschalten. Bei vielen Modellen lässt sich zudem über einen weiteren Schalter auswählen, ob das Getriebe ausschließlich über diese Tippschaltung bedient werden soll oder nicht.

Zu den Nachteilen gehören der höhere Spritverbrauch im Vergleich zu manuellen Schaltgetrieben und der meist höhere Anschaffungspreis. Auch die Reparaturkosten für ein Automatikgetriebe sind meist wesentlich höher, sollte es hier zu ernsthaften Schäden kommen.

Die meisten Automatikgetribe biete dem Fahrer zusätzlich die Möglichkeit, Gänge manuell umzuschalten – etwa durch seitliches Kippen des Hebels. Adobe Stock: ©Phuri

Die meisten Automatikgetribe biete dem Fahrer zusätzlich die Möglichkeit, Gänge manuell umzuschalten – etwa durch seitliches Kippen des Hebels. Adobe Stock: ©Phuri

Wie viele Gänge werden wir in Zukunft haben?

Wenn eine Vielzahl an Gängen bedeutet, dass sich Drehzahl und Motor besser aneinander anpassen lassen, wäre anzunehmen, dass in Zukunft immer mehr Gänge zur Verfügung stehen werden. Experten zweifeln aber daran, dass sich der Aufwand für die Entwicklung dieser Getriebe wirklich lohnen würde.

Denn ab einer gewissen Gang-Zahl scheint der effektive Nutzen immer geringer zu werden. Dementsprechend ließe sich nur noch unwesentlich mehr Sprit sparen. Das hängt damit zusammen, dass sich mit der Anzahl an Gängen auch der Hubraum des Autos vergrößern muss. Dementsprechend steigen Gewicht und der Verbrauch.

Die Ersparnis, die durch die optimierte Drehzahl erreicht werden kann, gleicht sich dadurch praktisch wieder aus oder fällt enorm gering aus. Dennoch wird sich die Zahl der Gänge wohl erst einmal steigern. Denn schon heute gibt es Automatikgetriebe, die sieben, acht oder neun Gänge besitzen und so die mittlerweile gängigen 6-Gang-Getriebe übertreffen.

Neun Gänge lohnen sich meist noch. Alles, was darüber hinaus geht, ist aber umstritten.

Aus Marketing- und Wettbewerbsgründen kann es natürlich dennoch dazu kommen, dass Sie in Zukunft auch Fahrzeuge mit 10, 12 oder noch mehr Gängen kaufen können. Hinsichtlich der Lautstärkeentwicklung dürften diese sogar nach wie vor Vorteile gegenüber Modellen mit weniger Gängen bieten. Ob sich für Kunden aber der Mehrpreis für solche Fahrzeuge wirtschaftlich lohnt, bleibt abzuwarten.

Fazit: Wie viel Gänge sollte mein Wagen haben?

Ob Sie sich für ein Fahrzeug mit fünf oder sechs Gängen entscheiden, sollten Sie vor allem von Ihrer individuellen Fahrweise und der primären Nutzung des Wagens abhängig machen. Fahren Sie vorzugsweise kurze Strecken innerorts und nur gelegentlich über die Landstraße sind fünf Gänge vollkommen ausreichend für Sie. Wenn Sie jede Woche von Termin zu Termin hetzen und dabei quer durch Deutschland fahren, ist das 6-Gang-Getriebe Ihre Wahl! Weitere Aspekte wie die Art des Getriebes und der Kaufpreis des Wagens sollten Sie natürlich ebenfalls in der Kaufentscheidung berücksichtigen.

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